Ich ging zu Dave, einem Ex-Freund von mir, der Reverend geworden ist. Dort lernte ich Johnny kennen. Ein gutaussehender Mann. Er war ein Ex-Knacki, der bei Dave so eine Art Bewährungshilfe und Unterschlupf hatte. Außerdem war dort eine Art "Weltenbummler" namens Reinhold, der hier eine billige Unterkunft und einen Job suchte. Er durfte vorübergehend bei Dave pennen. Ich erinnerte mich, dass bei uns im Studentenwohnheim gerade ein Hausmeisterposten frei wäre. Er wollte es sogleich probieren.
Auf dem Weg nach Hause lief mir eine Katze über den Weg und stupste mich. Ich streichelte sie ein wenig und wollte dann weiter. Die Katze folgte mir. Ich nahm sie mit zu mir und besorgte ihr Futter. Sie wollte anscheinend bleiben; also organisierte ich ein Katzenklo und jede Menge Katzenfutter. Wenn ich länger weg blieb, gab ich sie unten bei Reinhold ab, der die Hausmeisterstelle tatsächlich bekommen hatte. Nachts kratzte die Katze an der Wohnungstür. Anscheinend wollte sie raus. Da sie mir sowieso nur zugelaufen war, machte ich ihr die Tür auf, und sie huschte auf den Flur.
Am nächsten Tag ging ich nochmal zu Dave. Der Johnny ging mir nicht aus den Kopf. Dave erzählte mir, dass ihm eine Leiche geliefert wurde, die bis zur Totenfeier nebenan im Gemeindesaal gelagert werden würde. War wohl eine eigenartige Sache. Er kannte den Toten nicht, doch dieser hätte wohl darauf bestanden, von Dave den letzten Segen zu bekommen. Auch war es seltsam, dass die Leiche so viele Tage vor der Zeremonie abgeliefert wurde.
Wieder bei mir angekommen, sah ich einige Polizeiwagen vor meinem Studentenwohnheim. Reinhold stand ganz bleich da und wurde gerade von ein paar Polizisten befragt. Ich erfuhr, dass hier ein grauenhafter Mord begangen wurde. Einem Studenten wurden Augen, Ohren und Kehle zerfetzt. Was diese schrecklichen Wunden verursacht hatte, war noch unklar.
Ich lud Reinhold, wenn ihm nach Reden oder Gesellschaft sei, zu mir ein. Die Katze wartete, als ich kam, vor meiner Tür und ich ließ sie ein. Er kam eine Weile später. Während wir etwas auf den Schrecken tranken, erzählte er mir, wie er die Leiche fand. Nachts ließ ich die Katze übrigens wieder raus.
Gleich früh (also mittags) wollte ich wieder bei Dave vorbei, doch als ich die Flure des Wohnheims entlang ging, fiel mir eine offene Tür auf. Ich klopfte an und fragte, ob jemand da sei. Als ich keine Antwort bekam, ging ich hinein. Ich schrie auf, denn ich sah, wie Reinhold gestern, einen Mann am Boden liegen, dessen Augen, Ohren und Kehle herausgerissen waren. Fast so, als ob es herausgebissen wurde. Nachdem ich das halbe Haus zusammengeschrien habe, kamen einige Mitbewohner und Reinhold herangestürmt und die Polizei wurde gerufen.
Es war nur Johnny da, dem ich auch erstmal alles erzählen musste. Er meinte, dass ich nach meinem Job in der Pizzeria ja erstmal zu ihnen kommen könne. Dort angekommen erfuhr ich, dass jemand in den Gemeinderaum eingebrochen sein muss, denn es lagen Gesangsbücher auf dem Boden, die zuvor in den Regalen lagen. Dave meinte, dass sie eigentlich nicht einfach herausgefallen sein könnten. Andererseits war es eigenartig, dass keinerlei Einbruchsspuren zu erkennen sein. Nach meiner Schicht ging ich also wieder zu Dave. Wir unterhielten uns alle eine Weile, dann bot mir Johnny an, mich nach Hause zu begleiten, da ich ohne Auto unterwegs war. Er kam noch mit hoch und blieb noch eine Weile, weil mir unheimlich hier war, wegen der Morde. Johnny wollte die Katze streicheln, doch sie fauchte ihn an und zerkratzte seine Hand. Ich machte daraufhin die Tür auf, und sie lief wieder raus. Ich unterhielt mich eine Weile und wir tranken einiges. Eins kam zum anderen und wir lagen im Bett.
Am nächsten Abend arbeitete ich wieder. Reinhold kam irgendwann herein und ließ sich einiges an Alkohol bringen, weil er wohl wieder eine Leiche im Wohnheim gefunden hatte. Nach meiner Schicht holte mich Johnny von der Arbeit ab. Wir beide schufen Reinhold, betrunken wie er war, ins Auto.
Außerdem erfuhr ich von Johnny, dass neben ihren Mülltonnen Überreste von angebissenen Tieren, die Bisse könnten von der Größe von einer Katze stammen, lagen und dass ein Fenster des Gemeindesaals offen war, obwohl Dave sich sicher war, dass er es geschlossen hatte. Wir kamen auf ein anderes Thema:
Ein geheimnisvolles Bild, das er wohl in einem Haus, das er geerbt hat, zwischen jeder Menge Gerümpel entdeckt hatte. Sein Entstehungsdatum liegt wohl schon sehr lange zurück. Angeblich soll sich da was bewegen, wenn man drauf schaut. Doch ich sah da nichts besonderes. Nur ein Bild, das eine Sicht aus einem Fenster auf eine Straße mit Menschen zeigt. Am Horizont, in dessen Richtung die Straße verläuft, sind eigenartige große Gebäude zu sehen. Mehr war da nicht. Ich halte eh nichts von diesem Gerede von Übernatürlichem. Jedenfalls ist wohl morgen Abend eine Vernisage eines Künstlers, der Dave bezüglich des Bildes weiterhelfen könnte und dort wollen sie hingehen. Diese Nacht blieb ich bei Dave und Johnny.
Als ich am Morgen mit Johnny zu mir fuhr und wir die Wohnungstür öffneten, mussten wir entdecken, dass die Katze die ganze Wohnung verwüstet hatte, weil sie wohl raus wollte und es nicht konnte. Ok. Das muss ja nicht sein. Ich entschloss mich, die Katze im Tierheim abzugeben. Ich übergab das Tier einer Pflegerin.
Nachmittags rief Reinhold an und sagte, dass er meinte die Katze heute Nachmittag, also nachdem ich sie im Tierheim abgegeben hatte, wiedergesehen zu haben glaubt und sie ihn, beim Versuch sie zu streicheln, gebissen hatte. Daraufhin rief ich im Tierheim an. Es stimmte, die Katze war ausgerissen. Etwas seltsam, dass die Katze aus diesem Käfig, in den sie sie gesperrt hatten, weil sie sehr aggressiv gewesen war, überhaupt herauskam.
Abends bei Dave wurde mir erzählt, dass in der Nähe diesmal größere Tiere angebissen gefunden wurden.
Dann gingen wir los zu dieser Vernissage. Dort sah ich die Tierpflegerin, der ich die Katze gab. Erstaunt stellte ich fest, dass Dave sie gut zu kennen scheint. Ihr Name ist Sarah. Dave und Sarah versuchten an den Künstler heranzukommen. Es gelang ihnen wohl auch, doch viel mehr konnten sie nicht in Erfahrung bringen.
Wir anderen sahen uns die Ausstellung an. Ich betrachtete lange ein Bild, das nur aus Farbklecksen zu bestehen schien... doch dann, als ob sich ein Schleier lüften würde, erkannte ich eine grausame Szenerie: Blut, abgerissene Glieder usw.
Wieder bei Dave, ließ ich mir noch einmal das Bild zeigen und diesmal betrachtete ich es mit mehr Intensität. Nach ein paar Minuten hatte ich das Gefühl, dass sich die Menschen auf dem Bild fortbewegen würden. Und dann plötzlich kam etwas riesenhaftes, spinnenähnliches die Straße herauf, direkt auf mich zu... schnell rollte ich das Bild wieder zu. Wie ließ sich so etwas erklären? Ich wusste es nicht.
Auch diese Nacht blieb ich bei Dave und Johnny, obwohl in der letzten Nacht anscheinend kein neuer Mord im Studentenwohnheim begangen worden war.
Nach dem Ausschlafen wollte ich nochmal in meine Wohnung, um ein paar Dinge zu holen. Ich traf Reinhold. Er erzählte mir von seinem Verdacht, dass die Katze die Morde begangen haben könnte, denn in allen Nächten, in denen ich sie aus meiner Wohnung gelassen hatte, geschahen die Morde. Ich konnte ihm nicht ganz glauben, da ich die Katze nicht für derart gefährlich hielt und weil mir die Bisswunden der Opfer dazu zu groß zu sein schienen.
Einer von uns bemerkte, dass die Katze oben am Treppenabsatz stand und zu uns schaute. Als sie wohl merkte, dass wir sie gesehen hatten, flüchtete sie treppauf. Wir rannten hinterher. Sie verschwand in einer offenen Tür einer Studentenwohnung.
Schon von draußen kam uns ein unheimlicher Geruch entgegen... süßlich, eisenhaltig... Wir gingen vorsichtig hinein. Mir wurde übel. Überall am Boden und auf dem Bett war Blut... ich schaute hoch: an der Decke hing eine Leiche, die ähnlich grausam zugerichtet war wie die anderen.
Die Katze beobachtete uns aus ihrem Versteck unter dem Bett. Reinhold suchte nach etwas, mit dem er die Katze erledigen könnte. Doch diese wartete nicht länger. Sie schoss hervor, griff kurz Reinhold an und flitzte an mir vorbei in den Flur hinaus. Wir konnten sie nicht mehr einholen.
An diesem Nachmittag war die Totenfeier. Dave hatte die Vermutung, dass mit der Leiche etwas nicht stimmte, dass sie etwas mit dem offenen Fenster, den heruntergefallenen Gesangsbüchern und mit den toten Tieren zu tun haben würde. Im Laufe der Zeremonie war, wenn Gebete gesprochen wurden, immer wieder ein unheimliches Stöhnen zuhören. Außerdem schien es immer kälter im Gemeindesaal zu werden. Nanu, Eiskristalle an den Fenstern! Nach einer Weile schien sich die Leiche im Sarg aufzurichten. Daves Gebete und Gesänge wurden lauter, intensiver. Das Stöhnen wurde lauter. Ich sah in einem Seitenfenster die Katze herumpirschen und zeigte darauf. Jemand schoss auf die Katze, ein anderer auf die Leiche.
Die Katze verschwand, doch die Leiche störten die Schüsse kaum. Ich konnte nur zu sehen, ich war wie erstarrt, glaubte ich doch an solche Spukgeschichten nicht.
Dave betete immer inbrünstiger. Ich sah, wie sich eine helle riesige Kugel durch das Dach des Kirchensaals hinunter zu uns senkte und schließlich die Leiche umschloss. Was auch immer das war... es verschwand mit der Leiche.
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