Die Schöpfungsgeschichte der Kuppelwelt

Am Tag 0 der Schöpfung entstand mitten in einem größeren Universum in einem Schwarzen Loch ein Mini-Universum: Die Kuppelwelt. Durch ein Wurmloch strömte aus dem Paralleluniversum der Magie reine, magische Energie, die sich im Inneren des Schwarzen Lochs ausdehnte, bis der Außendruck der Gravitation den Innendruck der hereinströmenden Magie aufhob, womit die Kugel ihre endgültige Größe erreicht hatte. Nach außen hin erschien die Kuppelwelt weiterhin als Schwarzes Loch und verbarg so die Vorgänge in ihrem Inneren. Faktisch bestand sie aber am Ende des nullten Tages aus einer Kugelschale aus reiner magischer Energie, die ein perfektes Vakuum enthielt. Die Wissenschaft ist mit der Beschreibung dieser Vorgänge und vor allem der Frage nach dem Wie oder Warum überfordert; am ehesten kann man noch das "schöpferische Prinzip des Universums" dafür verantwortlich machen, obwohl mancher eher von einem Schöpfergott sprechen mag.

Am Tag 1 der Schöpfung entstanden aus der reinen Magie der Kugelschale die sechs obersten Götter der Elemente: Der Obergott der Luft am höchsten Punkt der Kuppel, ihm gegenüber am tiefsten Punkt der Obergott der Erde. Am nördlichsten Punkt der Kuppel bildete sich der Obergott des Eises, ihm gegenüber am südlichsten Punkt der Obergott des Feuers. Am östlichsten Punkt der Kuppel schließlich entstand der Obergott des Lichts, ihm gegenüber am westlichsten Punkt der Obergott des Wassers. Das Innere der Kugel blieb weiterhin leer. Der Schöpfergott sprach nun zu den sechs obersten Göttern und erzählte ihnen, dass es neben dem Prinzip der Schöpfung auch noch das Prinzip der Zerstörung und des Todes im Universum gab, und dass dieses Prinzip irgendwann einmal stärker als das Lebensprinzip werden würde, was das Ende der Kuppelwelt bedeuten würde. Die sechs Götter sollten sich einen Weg überlegen, wie sie und die Welt am besten überleben könnten. Dann zog sich der Schöpfergott zurück und überließ seine Schöpfung sich selbst.

Am Tag 2 der Schöpfung gerieten die sechs elementaren Obergötter über diese Frage miteinander in Streit und entschlossen sich, ihre Kraft zu messen. Wie ihnen der Schöpfer geraten hatte, wollten sie die Kuppelwelt beleben. Dabei verfolgten die zwei Götter, die später die obersten werden sollten, verschiedene Ziele: Der Obergott der Luft wollte die neuen Wesen so wie die Luft haben: beweglich, schnell erscheinend und wieder verschwindend, eben lebendig, während der Obergott der Erde plante, die neuen Wesen wie die Erde zu machen: Fest, unsterblich und unveränderlich - praktisch tot. Der Obergott der Luft erschuf dann aus der Energie der Kuppel die Elementarwesen der Luft, die später die Götter und Engel der Kuppelwelt werden sollten. Der Obergott der Erde schuf die Elementarwesen der Erde, die später zu den Dämonen und Teufeln werden würden. Auch die vier anderen Obergötter schufen die Elementarwesen aus ihrem jeweiligen Element. Dann begannen die sechs Obergötter mit der Hilfe ihrer geschaffenen Wesen den Kampf um das Innere der Kugel. Und schon bald zeigte sich, dass die beiden mächtigsten der Kontrahenten der Obergott der Luft und der der Erde waren. Fast die ganze obere Hälfte der Kugel wurde mit Luft aus allen möglichen Gasen gefüllt, und fast die ganze untere Hälfte der Kugel wurde mit Erde, Stein, Kristallen und allen verschiedenen Metallen ausgefüllt. Den anderen Obergöttern blieb nur noch etwas Platz an der Erdoberfläche und ein wenig Einfluss auf die angrenzenden Sphären von Luft und Erde. Die Kugel war nun völlig ausgefüllt, aber noch unbelebt.

Am Tag 3 der Schöpfung war der erste Kampf beendet, aber der Streit noch lange nicht. Die obersten Götter beschlossen nun, den Streit zu entscheiden, indem sie gemeinsam ein Wesen aus mehreren Elementen schaffen würden, das dann die Entscheidung treffen sollte. Dann schufen sie in Gemeinschaftsarbeit auf der Schöpfungsinsel, einer kleinen, flachen, bei Flut überschwemmten Insel am geometrischen Mittelpunkt der Kuppelwelt, die Pflanzen und ließen sie auf der Erdoberfläche wachsen. Die Pflanzen gediehen und breiteten sich überallhin aus, aber dann blieben sie, wo sie waren, und kümmerten sich nicht weiter um den Streit der Götter. Die obersten Götter und ihre übernatürlichen Helfer probierten den ganzen Tag lang alle möglichen Mischungen der Elemente durch, aber ohne Erfolg.

Am Tag 4 der Schöpfung beschlossen die Götter, ihren Plan weiter zu verfolgen, aber sie statteten ihre neuen Geschöpfe nun mit der Fähigkeit zur aktiven Bewegung und einem unterbewussten Denken aus. So entstanden die Tiere. Sie besiedelten die ganze Erdoberfläche und die Meere, kümmerten sich dann aber auch nicht weiter um die Götter. Die Götter schufen unzählige verschiedene Tiere, aber alles mit dem gleichen Ergebnis.

Am Tag 5 der Schöpfung entschieden die Götter, ihren Geschöpfen nun auch Intelligenz und die Fähigkeit, Magie im begrenzten Umfang zu benutzen, zu geben. So entstanden die Fabelwesen und Monster, die in sich Elemente der Pflanzen, der Tiere und der reinen Elementarwesen vereinten. Die obersten Götter, die von ihnen geschaffenen Götter und die Elementarwesen arbeiteten den ganzen Tag härter als zuvor, aber ohne Erfolg. Denn die Elemente in den neuen Geschöpfen waren ungleichmäßig verteilt, und so konnten sie nicht unparteiisch darüber entscheiden, welcher Gott der wahrhaft oberste sei.

Am Tag 6 der Schöpfung sammelten die sechs obersten Götter ihre ganze Kraft, um ohne ihre geringeren Helfer ein Wesen zu erschaffen, das alle sechs Elemente gleichmäßig verteilt in sich enthalten sollte, und sie nannten es den Mensch, und sie sagten ihm, er sollte entscheiden, welcher der Götter nun der größte sei. Wie alle anderen Wesen zuvor, wurden die Menschen nach ihrer Erschaffung auf die Schöpfungsinsel gebracht. Dann fragten die Götter, wie sie sich entschieden hätten. Die Menschen sagten, sie hätten sich für den Obergott der Luft entschieden, denn sie leben zwar auf der Erde, aber von und in der Luft, und in der Erde würden sie nur begraben. So wurde der Obergott der Luft durch die Entscheidung der Menschen zum allgemeinen Hauptgott gemacht, und aus Freude versprach er den Menschen, dass sie nach ihrem Tod zu ihm in den Himmel kommen dürften. Der Obergott der Erde wurde wütend über diese Entscheidung, und er schwor, für diesen "Verrat" alle Menschen in sein Reich zu locken und dort auf ewig zu quälen. Er fasste darum den Plan, die Menschen durch die Aussicht auf "irdischen" Reichtum zu verführen. So wurden aus den Elementarwesen der Luft all die Götter und Engel, die von den Menschen und den anderen guten intelligenten Wesen verehrt wurden, und aus den Elementarwesen der Erde wurden die Teufel und Dämonen, die von den Verführten und den bösen Wesen verherrlicht wurden, und ihr Herr, der einstige Obergott der Erde, wurde zu Satan, dem Herrn des Bösen.
Nun gab es noch die vier schwächeren elementaren Obergötter, die die Prinzipien des Feuers, des Eises, des Lichts und des Wassers verkörperten. Da sie vollen Zugriff auf die magische Energie der Kugelschale hatten, waren sie in ihrer weiteren Entscheidung frei. Die Obergötter des Lichts und des Wassers entschieden sich, auf die Seite des neuen Hauptgottes zu treten und so die Menschheit und das übrige Leben zu beschützen und mit Licht und Wasser zu versorgen, aber auch, um die von Satan Verführten mit dem göttlichen Licht zu blenden und im schlimmsten Fall mit einer göttlichen Flut zu vernichten. Die Obergötter des Feuers und des Eises verhielten sich ambivalent: Einerseits trugen sie gemeinschaftlich dazu bei, durch ein Gleichgewicht von Hitze und Kälte der Menschheit das beste Klima zu bereiten, andererseits halfen sie auch Satan, die verführten Sünder in der Hölle weit unter der Erdoberfläche zu verbrennen und zu erfrieren.
Die Menschen gingen los, breiteten sich aus und überraschten die Götter mit ihrer Anpassungsfähigkeit genauso wie mit ihrer Intelligenz. Die Menschen begannen, die ganze Erdoberfläche besiedeln, um am Ende die Kuppelwelt zu dem gemacht zu haben, was sie heute ist.
Die Schöpfungsgeschichte ist ein wichtiger Teil aller Mythen auf der Kuppelwelt; allerdings ist sie im Lauf der Generationen vielfach verändert und den Umständen angepasst worden, so dass den Lebewesen nur ein kleiner Teil der Ereignisse bekannt ist. Aber selbst die Teile der Mythen, die der Wahrheit am nächsten kommen, beginnen erst mit dem zweiten Tag. Selbst unter den Elementarwesen, die ja bereits am zweiten Tag erschaffen wurden, werden verfälschte Schöpfungsgeschichten erzählt, die ihrem jeweiligen Hauptgott einen besonderen Platz einräumen. Und auch die sechs obersten Götter haben nur eine ungefähre Vorstellung, was es mit den zwei Prinzipien der Schöpfung und Vernichtung wirklich auf sich hat. Tatsache ist jedenfalls, dass sie von der Vernichtung alle gleich betroffen wären. Nur der "Schöpfergott" weiß wirklich vollständig darüber Bescheid und außerdem - möglicherweise - was der richtige Weg ist. (Es wird vermutet: Sobald die toten Seelen der Wesen das gesamte Innere der Kugel ausfüllen, wird das Todesprinzip überhand nehmen und zum Untergang der Kuppelwelt führen.)

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