Wann ist die Kunst am Ende?

Auf den Gedanken zu diesem Essay bin ich vor längerer Zeit gekommen, als ich ein Interview mit Eva & Adele gelesen habe.
(Da diese Zwei wohl nicht jedem bekannt sein werden, hier ein kurzer Blick auf die beiden: Eva & Adele sind ein "Künstler-"paar, Hermaphroditen mit Glatze, die ständig grinsend und in krass-bunten Schmetterlingskostümen durch die Welt laufen. Das betrachten sie als Kunst.
Zwischenbemerkung Ende.)
Die beiden meinten in dem Interview u.a. eben, die Kunst wäre am Ende. Und das halte ich für den größten Schwachsinn, den man nur über die Kunst erzählen kann. Selbst die Mathematik lässt sich nicht vollenden, denn wie Gödel bekanntlich bewiesen hat, ist es nicht möglich, unser Universum mit weniger als unendlich vielen Axiomen, also logischen Grundsätzen, zu erklären. Das heißt nichts anderes, als dass die Wissenschaftler niemals alles wissen werden, selbst wenn sie immer weiter forschen. Dabei meint man doch, dass es bei so etwas Logischem und Geordnetem wie der Mathematik noch am ehesten möglich sein sollte, irgendwann an ein Ende zu kommen. Warum sollte es dann gerade mit so etwas Chaotischem, Unberechenbarem und Fantasievollem wie der Kunst gehen?
Die Kunst ist ein Zauberspiegel, den wir Künstler dem Universum vorhalten.
(Was diesen Vergleich angeht, denke ich immer an das Märchen von der Medusa. Darin geht es bekanntlich um folgendes: Medusa ist eine böse Hexe, die so schrecklich aussieht, dass alle, die ihr ins Gesicht schauen, sofort zu Stein erstarren. Ein Prinz kann sie schließlich mit Hilfe eines Zauberspiegels besiegen. Dieser Spiegel bewirkt folgendes: Er erlaubt erstens dem Prinzen, Medusa ungefährdet anzuschauen, und zweitens erstarrt sie selber vor Schreck, als er ihr den Spiegel vorhält.

Das hat mich an das erinnert, was Künstler tun, die sich in ihrem Werk mit dem Bösen in der Welt beschäftigen: Erstens erlauben sie so den "Guten", dem Bösen ungefährdet ins Gesicht zu schauen, und zweitens können sie so dem Bösen im wahrsten Sinn des Wortes einen Spiegel vorhalten - und es so vielleicht sogar zerstören.
Zwischentext Ende.)

Aber gleichzeitig ist die Kunst auch ein Teil unserer Welt, die sich ja dauernd verändert. Also muss sich auch die Kunst ständig verändern, um der Welt weiterhin einen Spiegel vorzuhalten. Wie also können Leute überhaupt auf die Idee kommen, dass es jemals mit der Kunst aus sein könnte?

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