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Die Ordnung stellt, grob gesagt, den Inhalt eines Werkes dar. Das bedeutet: Ein Film mit vielen Schauspielern, vielen verschiedenen Schauplätzen, viel Handlung und viel Dialog hat eine höhere Ordnung als ein kammerspielartiger Film mit zwei Personen, die die ganze Zeit in einem Raum verbringen und nicht viel tun oder lassen können. Ein Regisseur, der sich trotzdem entschließt, einen Film der zweiten Art zu drehen, wird seine Zuschauern dafür mit anderen Mitteln fesseln müssen, damit sie den Film nicht als zu uninteressant empfinden.
Ein bisschen komplizierter ist zu verstehen, was die Information angeht. Dazu ein praktisches Beispiel: Wenn jemand ein Foto von sich sieht, enthält es für ihn nur die kurze Information: Das bin ich. Wenn dasselbe Foto einem seiner Bekannten gezeigt wird, erhält dieser die Information: Das ist mein Bekannter XYZ. Wenn das Foto einem ganz anderen Menschen gezeigt wird, erhält der die Information: Das ist ein Mensch, der so und so aussieht. Wenn man das Foto einem Außerirdischen zeigen würde, bekäme er die Information: Das ist ein Wesen, das diese sichtbare Gestalt hat. Für einen Computer schließlich würde das Foto sehr viel Information enthalten; für ihn wären es einige Tausend verschieden gefärbte Punkte.
Das heißt: Die Information nimmt immer mehr zu, und die dabei empfundene Schönheit immer mehr ab. (Zumindest, wenn man voraussetzt, dass sich die meisten Menschen wohl für wichtiger halten als ihre Bekannten, und diese für wichtiger als ihnen unbekannte Menschen, aber die immer noch mehr als Außerirdische oder Computer.)
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Ein anderes Beispiel: Für einen literarisch hochgebildeten Menschen (sagen wir Marcel Reich-Ranicki) wird kein Roman viel Neues bieten; aus seiner Sicht wäre die Information niedrig und damit die Schönheit hoch. (Vorausgesetzt natürlich, dass er gut geschrieben ist und auch vom Inhalt her viel Interessantes bietet, also eine hohe Ordnung hat.) Andererseits würde ein Buch über Chemie z.B. soviel neue Informationen für ihn bringen, dass er es wahrscheinlich nicht lange weiter lesen würde.
Aber weil die Menschen in verschiedenen Zeiten auch ein unterschiedliches Alltagswissen haben, wird sich die allgemeine Meinung, was ein schönes Kunstwerk ist, im Lauf der Zeit ändern. Auch dazu ein paar Beispiele: Wenn ein Autor ein Buch schreibt, in dem alle möglichen Themen seiner Zeit, die die Menschen beschäftigen, behandelt werden (z.B. Thomas Manns "Die Buddenbrooks"), werden sich viele Leute dieses Buch kaufen, weil es erstens viel Inhalt bietet (hohe Ordnung) und trotzdem kein außergewöhnliches Fachwissen erfordern (niedrige Information). Aber wenn erst einmal ein paar Jahrzehnte oder Jahrhunderte vergangen sind, das nötige Vorwissen nicht mehr vorhanden ist und die Anspielungen nicht mehr verstanden werden, wird aus dem ehemaligen Bestseller ein Klassiker, den immer noch alle kaufen, aber nur wenige lesen.
Wenn andererseits ein Kult-Autor, der seiner Zeit weit voraus ist, ein Buch mit vielen neuen Gedanken und Überlegungen schreibt, wird er in der ersten Zeit danach, oder sogar sein Leben lang, kaum Erfolg damit haben, einfach weil die meisten damit überfordert sind. Vielleicht findet er ein paar besonders aufgeweckte Leser, aber nicht besonders viele. Wenn unter diesen Lesern aber einige sind, die seine Ideen und Gedanken aufnehmen und in ihren Kunstwerken verarbeiten, werden seine Ideen bald größere Verbreitung finden, und irgendwann werden seine Gedanken allen Leuten so geläufig sein, dass seine Bücher für jeden verständlich sind und nachträglich doch noch zu einem Erfolg werden.
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Zum Abschluss will ich an dieser Stelle noch sagen: Dieser Essay sollte selbstverständlich keine erschöpfende Abhandlung über Ästetik sein. Viele Elemente, die bei der Schaffung eines Kunstwerkes eine Rolle spielen, sind hier nicht berücksichtigt. Es ist einfach nur eine gute Möglichkeit, zu erklären, warum dasselbe Kunstwerk den einen gefällt und den anderen nicht.
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