SCHÖNE NEUE WELT

Ich aktivierte mit einem Knopfdruck die Codesequenz und ließ den Helm über meinen Kopf gleiten. Einen Moment lang war da nichts außer der Dunkelheit, und mein Körper passte sich dem Gefühl des Bodysuits und der Spannung des Geschirrs, in dem ich aufgehängt war, an. Dann begann das Programm anzulaufen, und mein Verstand ließ die Realität hinter sich. Vor meinen Augen sah ich die im Computer generierte Sequenz, die ich programmiert hatte: Eine weit ausgedehnte Ebene, mit einem See in der Nähe. Ich konnte fühlen, wie eine Brise durch die Luft wehte, und die Geräsche von zirpenden Insekten hören. Ich starrte in den See und schaute, wie die goldenen Fische vor und zurück schossen. Der Realismus von dem Interface war perfekt, aber ich musste ihn - und mich - weiter vorantreiben.

Dieses Virtual-Reality-Programm war anders als alle anderen. Es war seiner Zeit leicht zwanzig Jahre voraus. Die Computerpower, die es zum Laufen brauchte, war fast unvorstellbar, aber ich hatte es geschafft, die Unterstützung zusammen zu bekommen. Aber es war mehr als eine virtuelle Umgebung; es war eine komplette interaktive Welt. Ich ging zum Wasser und konzentrierte mich auf die Fische darin. Vor meinen Augen verwandelten sich die goldenen Fische in silberne Eidechsen, die im Zickzack auseinanderschossen. Es funktionierte! Der Himmel über mir war mein nächstes Ziel. Ich füllte ihn mit Gruppen von Wolken, wie eine Reihe terrassierter Balkone. Ich stand darunter und starrte auf die Mitte. Ich weinte fast, als meine Füße den Boden verließen, um mitten unter die Wolken da oben emporzusteigen. Meine Erregung hatte den Fieberpunkt erreicht. Jede andere Welt war für mich verschwunden. Ich war hier erschaffen worden, und hier war der einzige Platz, der noch existierte.

Das nächste, woran ich mich erinnern konnte, war, dass sich die ganze Realität auflöste. Mein Verstand schrie, als er von den Computersequenzen, die ich erfunden hatte, überwältigt wurde. Komplexe Algorithmen und unendlich verwickelte geometrische Muster fluteten über meine Sinne in mein Gehirn hinein. Ich konnte Zahlen anfassen, Bilder hören, und hebräische Buchstaben schmecken. Wie meine Sinne überflutet wurden, fing ich langsam wieder an, in die "richtige" Welt zurückzukehren, wo mir mein Assistent zu erklären versuchte, warum er mich rausgezogen hatte. Er sagte, dass ich mindestens drei Tage in dem Geschirr gesteckt hatte, er sagte, dass ich an schwerer Dehydrierung litt und von meiner eigenen Scheiße bedeckt war. Ich hörte nicht auf ihn. Ich musste in meine Welt zurück!

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Harold Gui ist eins der größten Genies auf der Welt, mit Doktortiteln in Informatik, Neurologie, Psychologie, okkulten Wissenschaften und Theologie. Es war seine breite Wissensbasis, die ihm zusammen mit seinem natürlichen Genie ermöglichte, das LVRI, das "Lucid Virtual Reality Interface", zu entwickeln. Das LVRI war eine Kombination aus Meditationsmetoden, Kontrolle der Träume und computergenerierten Stimuli, alles vereinigt, um eine künstliche Umgebung unter Harolds Kontrolle zu erschaffen. Allerdings fügte Harold auch noch zusätzliche Aspekte zu seinen Computern und den Programmiermetoden, die er benutzte, hinzu. Sein Aufhängungs-Geschirr war im Zentrum von sieben Super-Prozessoren (Beth, Gimel, Daleth, Kaph, Pe, Resh, und Tau genannt), verbunden durch einen Kreis von silberüberzogenen Kabeln. Das LVRI-Programm selbst war in vier Teile unterteilt, MIKL, UREL, GABREL und RAFAL genannt, die wiederum in zehn Subroutinen zerfielen, die in der Form von einer Art Baum mit vielen Verbindungen strukturiert waren.

Aber LVRI funktionierte nicht, bis Harold zwei andere, identische Sets von Prozessoren, alle miteinander verbunden, hinzufügte. Am Ende taufte Harold die drei verbundenen Systeme Aleph, Mem und Shin und stellte sein Aufhängungs-Geschirr in die Mitte der Drei, und verband es mit ihnen. Harold aktivierte das LVRI-Programm, wartete und meditierte. Nachdem das Programm angelaufen war (was ganze zwölf Minuten dauerte), fand sich Harold in einer bizarren Welt aus Äther, Luft und Wasser wieder. Diese primordialen Elemente mischten sich einfach regel- und formlos; aber als Harold seine Aufmerksamkeit auf sie konzentrierte, fingen sie an, bekannte Formen anzunehmen und ordneten sich von selbst zu einem schönen Feld mit einem See an. Nach einer Periode, in der er seine neue Welt und ihre Schöpfung regulierte, begann Harold, seine Kontrolle zu meistern. Während seine Aufmerksamkeit sie in eine erkennbare Form brachte, machte ihn sein Wille zum Gott. Aber außerhalb von seinem Geschirr fühlte sich Harold immer weniger lebendig. In jeder wachen Sekunde wollte er nichts außer in seine Schöpfung zurückzukehren.

Seine Assistenten und Freunde entfremdeten sich ihm immer mehr und sorgten sich um sein Wohlergehen. Als einer von seinen Assistenten Harold kurz vorm Sterben fand, nachdem er drei Tage ununterbrochen in seinem Geschirr gehangen hatte, wurde Harold in eine psychatrische Klinik eingewiesen, um seine "Wahnvorstellungen" zu überwinden. Aber es war alles schon zu spät. Harold Guis Verstand hatte eine neue Stufe der Wahrnehmung erreicht. Während er träumt, kehrt sein Geist in die Traumwelt zurück, die er erschaffen hat. Sein Zustand verschlechtert sich jeden Tag in der Klinik, weil Harold mehr und mehr Zeit mit Träumen verbringt, und manchmal tagelang nicht aufzuwecken ist. Bald wird er in seine neue Welt eintreten, seinen Körper hinter sich lassen, und wirklich Erwachen.

WAS HIER LOS IST

In einem Fiebertraum während seiner Jugend fand Harold Gui Kontakt zu dem Traumprinz Friedrich Kopper. Kopper war fasziniert von diesem Jungen und bemerkte seine Brillianz und sein Potenzial. Aus Neugier, mit menschlichem Leben zu experimentieren, und da er das kommende Computerzeitalter vorhersah, erzählte Kopper dem jungen Harold, wie er die Welt der Träume betreten und sie kontrollieren konnte. Harold war sich des geheimen Wissens, das Kopper mit ihm geteilt hatte, niemals bewusst, aber es brannte ihm sein ganzes Leben lang in seinen heimlichen Erinnerungen weiter. Wie er älter wurde, überkam ihn eine Besessenheit, was den menschlichen Geist und die Computer anging, und wie man die beiden mit Mystizismus und dem Okkulten verbinden konnte. Die lange Zeit vergessenen Lehren von Kopper fingen an, in Harolds Bewusstsein zurückzukriechen, Stück für Stück, und gaben Harold so das "Verständnis", LVRI zu bauen.

Allerdings hat Kopper die potenzielle Macht, die in LVRI und Harold liegt, vollkommen unterschätzt. Obwohl das keiner außer Harold und Kopper weiß, könnte LVRI theoretisch jedem erlauben, die Meisterschaft über die Welt der Träume zu erlangen. Innerhalb von ein paar Wochen hat Harold fast schon eine Stufe der Meisterschaft erreicht, um die zu erreichen er sonst Jahrhunderte gebraucht hätte. Nun siecht Harold in einer Irrenanstalt dahin und versucht verzweifelt, für immer in seine Traumwelt zurückzukehren. Seine ständigen Versuche haben nicht nur die Aufmerksamkeit von Kopper und den anderen Traumprinzen geweckt, sondern auch die der Liktoren, die in Harold die größte Bedrohung der Illusion sehen. Kopper, der Harolds Rolle in der Zukunft fürchtet, lässt das Genie im Moment von seinen Agenten so gut wie möglich verstecken, aber jeden Moment muss etwas passieren...

Das neue Spiel:

Die SC's werden von einem mysteriösen Klienten (in Wirklichkeit einem getarnten Liktor) angestellt, um den Schöpfer von LVRI aufzuspüren. Während die SC's immer tiefer in das Leben von Harold Gui (und immer näher zu seinem Aufenthaltsort hin) vorstoßen, arbeiten feindliche Liktoren (die die Illusion zerstören wollen) daran, die SC's davon abzuhalten, Harold zu dem immer noch loyalen Liktor zu bringen.

Irrenhaus:

Harolds Träume und Versuche, die Welt der Wachenden zu verlassen, ziehen die Aufmerksamkeit von Psyphagi (oder Schlimmerem) auf sich, die die Insassen von Psychatrien benutzen, um mühelos in die Welt der Wachenden einzudringen. Sie schließen Freundschaft mit Harold und versuchen, ihn zum LVRI-System zurückzubringen, um seine Meisterschaft über die Träume zu beschleunigen (und die Grenzen zwischen den Welten weiter zu schwächen). Vielleicht werden die Spieler mit hinein gezogen, wenn ein Freund in einer Anstalt (oder ein SC selbst!) anfängt, sich seltsam zu benehmen (weil er von einem Psyphagus besessen worden ist).

Lang lebe der König:

Harold kehrt in seine Traumwelt zurück und wird der jüngste der Traumprinzen. Allerdings begnügt er sich nicht damit, nur in seiner Welt dahinzuleben, also versucht Harold, seine "Begabung" an andere (speziell die SC's) weiterzugeben, indem er ihre Träume betritt und ihnen beibringt, was er weiß. Kopper, der realisiert, dass dies hier zu weit gegangen ist, schickt seine Diener, um Harold und seine Schüler zu töten.

Harold Gui

Persönlichkeit: Du willst nichts mehr außer schlafen und träumen. Du weißt, bald wird Dein Geist aus dem Gefängnis, das Dein Körper ist, entkommen, und in der Welt Deiner Träume frei sein.

Spielleiter-Tips: Agiere niedergedrückt, wann immer Dich jemand aufweckt, außer man fragt Dich über Deine Träume, dann werde extrem aufgeregt und erzähle alles, in sehr komplizierten Begriffen. Handle in der Traumwelt in einem permanenten Zustand der friedlichen Euphorie.

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